Vorweihnachtliche Dauerpartyzeit

Manche mögen das routinemäßig durchziehen, aber ich zumindest finde vier Tage hintereinander Durchfeiern ziemlich arg. Es darf jedoch behauptet werden, dass derartige Tätigkeiten nach den vorangehenden strapazigen Wochen durchaus gerechtfertigt sind. Das waren also:

  • Dienstag: Dritte Wohnungseinweihung in der Sedlitzkygasse, diesmal mit meinen Arbeitskollegen. (Die Woche davor war Horitschon & Umgebung dran, und vor jener Partie waren auch schon meine ehemaligen Heimkollegen da.)
  • Mittwoch: Weihnachtsfeier im B2-Heim. Ursprünglich war die oben erwähnte Dienstagsfeier für Mittwoch angesetzt, aber durch eine glückliche Verschiebung konnte ich auch zu dieser hier gehen.
  • Donnerstag: AFS-Kochabend, vom Felix organisiert. Netter Abend - wieder haufenweise zu reinigendes Geschirr, aber dafür hab ich ein paar neue nette Leute kennengelernt. Was zu erwarten war, da ja AFSer von Haus aus nette Leute sind.
  • Freitag: Firmen-Weihnachtsfeier im Linzer Büro, inkl. Übernachtung in Asten (nicht weit weg von Linz), beim Klaus, dem Mastermind der Firma. Dort haben wir "Wiener Partie" die ebenfalls an einem zusammenhängenden Projekt arbeitende Linzer Diplomanden-Gruppe kennengelernt. Nette Leit, netter Abend, und da ich einen guten Ruf zu verteidigen hatte, bin ich konsequenterweise nach Mitternacht wieder mal in den altbewährten Schlafzustand gefallen - beim Fortgehen in der Bar, versteht sich. Den hatte ich in letzter Zeit allerdings eh selten.

Insbesondere die Heim-Weihnachtsfeier war ein Erlebnis für sich, sie hat mich wieder mal auf meine emotionelle Fragilität aufmerksam gemacht. Ohne dass die Party selber öd war oder die Leute schlecht gelaunt, bin ich mir nämlich die ganze Zeit wie ein Außenstehender vorgekommen - physisch bin ich präsent, gelegentlich rede ich ein, zwei Worte mit diesem oder jener, aber im Allgemeinen geht alles an mir vorbei. Das geht mir eigentlich öfter so, und war rückblickend gesehen auch der Grund, warum ich in der Schulzeit das Fortgehen so gehasst habe.

Jedenfalls war ich dann nach längerem Ausharren schon fast am Gehen (nach 12 Uhr, damit ich die U-Bahn noch erwische) und hatte die Jacke schon angezogen gehabt, da wurde ich unvermittelt und überraschenderweise zum Bleiben aufgefordert. Also, freundlich gefragt. Und das allein hat dann irgendwie den kompletten Abend gerettet, ich war wie ausgewechselt. Hab die Jacke wieder auf die Seite geschmissen, mich prächtig unterhalten, Bierschaum aus dem Bierschaum-Fass gezapft, und fröhlich abgefeiert bis um drei oder so. Unglaublich gut.

Fazit: Partystimmung und sonstige Glücksgefühle kann man nicht planen oder anderweitig erzwingen, sie können vom einen Moment da sein oder wieder weg. Und das wirklich Positive an Weihnachten ist auch nicht das Feiern am Heiligabend oder gar die Geschenke (urks! Einkaufsstress!), sondern die allgemeinen Nettigkeiten des gemeinsamen Zeitnehmens mit der Familie, und natürlich die Weihnachtsferien :)

Viele Leute haben ja gar keine Ahnung, wie manch beiläufig Gesagtes über das Glück oder Unglück einer anderen Person bestimmen kann. Mit den richtigen Worten ist es genauso leicht, jemandem die Stimmung in den Keller zu hauen wie auch den Abend zu retten. Und die unerwartet erfreulichen Dinge sind immer die schönsten.

Wohlstand ist jedenfalls für das Glücklichsein kein Faktor, irgendwann pendelt sich alles Gleichbleibende auf einem Standard-Glücksniveau ein. Ich würde meinen, dass sich der allgemeine Glückszustand verschiedener Leute nur dadurch unterscheidet, wie hoch die Schwankungen zwischen Glück und Unglück sind, und der allgemeine Grundpegel total irrelevant ist.

Hm... von Party-Kurzberichten zu pseudo-philosophischen Abhandlungen? Jaja, das gibts nur im Jakoblog!

Comments

Very Interesting

Also das is ja sehr interessant. Da muss ich gleich mein Kommentar dazu abgeben:
Also ich glaube, dass da ein grundlegender Denkfehler in der letzen Behauptung ist. Zuerst müsste man überhaupt einmal definieren was jetzt Glück ist und was nicht. Ich glaube nämlich dass du mit Glück die individuell erlebte Freude meinst. Das Unglück wäre dann genau das Gegenteil davon, also die individuell erlebte ... Trauer/Fadesse/Nicht-Freude.
Wenn du jetzt behaupten willst, dass der Glückszustand verschiedener Menschen nur von den Schwankungen abhängt, dann kann das einfach nicht ganz richtig sein. Man stelle sich vor, jemand ist permanent in einer gleichbleibenden schlechten Situation. Dann würde der doch weder Glück NOCH Unglück verspüren. Das gleiche würde natürlich auch für Leute gelten denens permanent extrem gut geht.
Auf eine kurze Dauer gesehen ist die Behauptung allerdings nicht schlecht. Ich nehm einmal einen Geldgewinn als Beispiel. Man nehme an jemand hat schon ein paar Millionen Euro zur freien Verfügung und er gewinnt im Lotto dann bringt das für ihn kaum einen enormen Glückswert und er freut sich vielleicht ein bisschen. Jemand der am Existenzrand lebt und sich über 5 Cent schon freut wie ein Schneekönig, der wird bei einem Lottogewinn natürlich mehr Freude rausholen können weil die Differenz zu seiner vormaligen Situation viel größer ist.
Damit könnte man dann wieder auf den Jakob kommen, der anscheinend nicht viel Kontakt mit anderen Menschen beim fortgehn hat, weshalb er sich über plötzlichen vielen Kontakt zu anderen Leuten viel mehr freut als andere.
Was ist aber dann mit denen, denen's permanent gut geht? Können sich die überhaupt noch freuen? Wann haben die denn Glückserlebnisse? Fragen über Fragen...

Er hat es erfasst

> Man stelle sich vor, jemand ist permanent in einer gleichbleibenden
> schlechten Situation. Dann würde der doch weder Glück NOCH Unglück
> verspüren. Das gleiche würde natürlich auch für Leute gelten denens
> permanent extrem gut geht.

Genau, so lautet meine These. Ein reicher Businessmensch wird sich genauso an seine Situation gewöhnen wie ein Ghetto-Gangsta oder ein kubanischer Hanfbauer oder ein fauler Informatikstudent. Jeder gewöhnt sich dran, und irgendwann ist es dann die Normalität, die indifferente Situation, von der aus es auf oder ab geht.

Ich behaupte, dass es niemandem permanent extrem gut gehen kann, oder extrem schlecht. Eine Zeitlang, ja, aber dann kommt der Abnutzungseffekt. Siehe auch Gehaltserhöhungen als Hygienefaktor, aber nicht als Motivation - die muss ständig immer wieder neu von der sozialen Anerkennung kommen.

Wie das mit Leuten ist, denen's permanent ziemlich gut geht, kann ich nicht sagen. Ich nehm an, dass das die massive Minderheit ist, frag halt mal wen, von dem du das annimmst.