Time management

Vom Verschwinden der Zeit

Diese Woche war der Zeitmangel wieder besonders schlimm. Das Allerschlimmste daran ist jedoch, dass ich nicht (bzw. nicht nur) wegen viel aufgehalster Arbeit keine Zeit hab, sondern dass ich viel zu viel Zeit ungenutzt verstreichen lasse.

Ungenutzt? Nein, nicht wirklich, denn vom faulenzenden Studentendasein kriege ich kaum etwas mit. Nichtsdestotrotz komm ich am Ende des Tages oft drauf, dass ich nur ca. ein Drittel dessen erledigt habe, was ich mir eigentlich in vernünftiger Planung vorgenommen hätte. Richtig, Zeitmanagement. Das Ding, das unter anderem meinen Bakk-Abschluss um ungefähr zwei Semester verspätet hat.

Für dieses Semester hab ich mir vorgenommen, meine Zeit in den Griff zu kriegen, schon meiner Gesundheit wegen, und weil ich es mit dem derzeitigen Arbeitsvolumen sonst einfach nicht mehr schaffen würde. Wobei der erste Schritt zur Besserung wie immer das Erkennen der dahinterliegenden Ursachen erfordert. Die eine Maßnahme, rechtzeitig schlafen gehen und in der Folge früher aufstehen, ist mir seit Anfang dieses Jahres langsam bewusst geworden, und wird ab sofort konsequenter umgesetzt werden. (Auch wenn es heute mal wieder nicht ganz so gelungen ist, wie der Zeitstempel dieses Blog-Eintrags beweist.)

Eine zweite, wahrscheinlich noch schwerwiegendere Ursache, ist mir wahrscheinlich erst heute so richtig bewusst geworden, obwohl ich es schon seit einiger Zeit latent mitkriege. Es sind die Vielzahl an Mails, Blogs, News, und sonstigen in kurzen Abständen eintrudelnden Informationsbrocken, die pro Tag ganze Stunden (ja, Stunden!) verschlingen.

Mein Hauptproblem ist, dass ich diese Informationsquellen eh schon einmal nach Gehalt und Wichtigkeit durchkämmt und ziemlich alle unnötigen rausgeschmissen hab. Mit meiner Anstellung als Drupal-Entwickler sind im Gegenzug ein paar weitere dazu gekommen, die dann wieder mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber ohne die ich nicht auskommen will.

Warum brauchen diese Sachen so viel Zeit? Antwort: Weil sie nicht auf einmal, sondern gemächlich, einer nach dem anderen, eintrudeln. Und vor allem weil ich es mitkriege, wenn die wichtigen (die Emails) eintrudeln, und dann einen kurzen Blick zu den weniger wichtigen (andere Emails, Blogs, etc.) mache, um die paar Sachen wieder alle abgearbeitet zu haben. Ist mir den Moment wieder passiert. Und das ständige Abarbeiten und Wechseln des Aufmerksamkeitsfokus hält mich davon ab, eine Sache auf einmal und die dafür ordentlich und für eine vernünftige Dauer lang zu machen.

Wie kann dem Problem also Einhalt gebieten? Mir fallt da nur eine effektive Maßnahme ein: Während der Zeit, wo ich produktiv was weiterbringen will, muss mein Email/RSS-Client (der Kontact) dran glauben. Auch wenn ich die Benachrichtigung beim Erhalt einer neuen Email ausschalte, führt mich die "1"er, "2"er oder wieviele-ungelesene-Emails-auch-immer-Beschriftung am System-Tray-Icon doch wieder dazu, regelmäßig einen Blick hineinzuwerfen.

Das muss sich aufhören. Insofern beschließe ich also, von Punkt 9:00 bis Punkt 18:00 den Kontact nicht rennen zu haben, auch nicht als minimiertes Icon, und mich stattdessen auf die gerade anstehenden Sachen zu konzentrieren. Wie gut das funktionieren wird, muss sich noch herausstellen, immerhin sind Emails ja teilweise ein wichtiges Mittel zum Nachschlagen von Informationen und Links, und zum Erledigen der Arbeit selbst ("Kommunikation, geglückte Kommunikation, ..."). Und ob ich das ganze tägliche Volumen von 6 bis 8 aufarbeiten kann, und wie ich außerplanmäßige Zeitverluste damit vereinbaren kann (weil nachgelesen muss es ja trotzdem noch werden), das wird sich noch herausstellen.

Bitte also nicht wundern, wenn ihr ab sofort länger auf eine Mail-Antwort warten müsst als gewohnt. Es ist zu meinem eigenen Schutz.

Wie zum Beweis hat dann die Kathy Sierra, Autorin des geistreichen Creating Passionate Users Blogs, einen Artikel über Twitter (ein ziemlich neues, offenbar beliebter werdendes Instant-Networking-Portal, das ich bisher übrigens auch nicht gekannt habe) und die Schädlichkeit der partiellen Aufmerksamkeit veröffentlicht. Nachdem ich schon beim Rauffahren nach Wien darüber nachgedacht hab.

Warum ich schon heute, Samstag, nach Wien gefahren bin? Weil ich noch Millionen Sachen zu tun hab, und diese Woche zu rein gar nichts gekommen bin. So, und jetzt Punkt 1, rechtzeitig schlafen gehen, nicht ganz außer Acht lassen. Gute Nacht.

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