Ja, meine psychische Verfassung war schon mal besser. Ja verdammt, ich bin immer noch im Melancholie-Modus. Nicht mehr so stark wie vor einer Woche, aber immer noch.
Letzte Woche war ich fabelhaft unproduktiv. Große Teile des Montags und Dienstags sind dafür draufgegangen, die total faszinierende Anime-Serie Neon Genesis Evangelion (26 halbstündige Folgen) fast am Stück anzuschauen. Gleich vorweg: ja, das war es wert, und die Serie ist nicht umsonst Kult. Aber sie hat mich arg mitgenommen.
Wie in vielen japanischen Machwerken spinnt sich die Story um einen leicht asozialen Burschen, der mit seinen Mitmenschen und vor allem mit sich selbst wenig anfangen kann und außerdem von einem Vater-Sohn-Komplex der anerkennungssuchenden Natur geprägt ist. Des weiteren drei Mädels mit andersartigen, aber großteils ebenso ausgeprägten Persönlichkeitsstörungen. Und wie es das Schicksal so will, müssen die zusammen die Welt vor einfallenden Riesenmonstern, genannt "Angels", retten, und zwar vom Hauptquartier einer Geheimorganisation aus, die vom Vater des Protagonisten geleitet wird.
Ich will erst gar nicht probieren, den komplexen Plot zu erklären, man muss es einfach selber gesehen haben. Jedenfalls setzt die Serie speziell in den späteren Folgen einen Schwerpunkt auf die Psyche der Charaktere, deren Beziehungen zueinander, und die Unmöglichkeit der menschlichen Existenz. Neon Genesis Evangelion ist von tiefenpsychologischen Elementen und christlich-jüdischen Symbolen durchzogen, dass es ärger nicht mehr geht. Und wirft die essentiellen Fragen wieder auf:
Wie kann ich glücklich sein? Definiere ich mich nur durch meine Umwelt, oder kann ich auch für mich allein stehen? Wie kann ich mich mitteilen? Werde ich geliebt? Ist alles Dasein nur von Leid geprägt; bin ich es wert, auf der Welt zu sein?
Nun neige ich dazu, mich völlig in einer guten Geschichte zu verlieren, und umso mehr, wenn den Protagonisten die gleichen Probleme und Unsicherheiten plagen wie mich selber. Zugegebenermaßen, mein Vater ist kein gefühlskalter Eiszapfen (...zumindest nicht immer), ich bin nicht mehr 14, und muss nicht als Pilot einer mächtigen Riesenkreatur die Welt retten. Aber das Identifikationspotential ist groß, und die Serie hat mich echt mitgenommen. Die Zweifel, was ich mit mir selber anfangen soll, waren überwältigend, und sind bis zu einem gewissen Grad immer noch da.
Hinzu kommt, dass ich die letzten paar Folgen spätnachts am Dienstag geschaut hab, so spät, dass ich dann gleich ohne zusätzlichen Schlaf bis zum Mittwoch aufgeblieben bin. Was meiner Konstitution natürlich auch nicht unbedingt förderlich war. Sprich, ich hab mich erst Donnerstag Nachmittag wieder gefangen, und da war die Studienwoche schon fast aus.
Heute hab ich mir dann noch das alternative Ende der Serie, The End of Evangelion, gegeben - das war auch packend, aber das Schlimmste hatte ich eh schon hinter mir. Der Soundtrack ist übrigens auch fast durchgehend exzellent - bestätigt wieder mal meine hohe Meinung von der Gattung der Computerspiel-Hintergrundmusik- und Filmkomponisten.
Da fallen durchaus sehenswerte, aber weniger in die Tiefe gehende Filme wie Spiderman 3, ebenfalls am vorigen Montag im Kino gesehen, kaum mehr ins Gewicht. In nächster Zeit will ich mir jedenfalls den Fluch der goldenen Blume anschauen, das darf ich auf keinen Fall auslassen. Ansonsten hoffe ich mal, dass derart intensive Videovergnügen fürs erste einmal genug sind, und ich mich diese Woche wieder mehr aufs Studieren und Arbeiten konzentrieren kann.
Zurzeit scheint nicht viel im Heimnetzwerk herumzuschwirren. Weil es aber doch löbliche Ausnahmen gibt, wurde donnerstags eine kurze Filmsession angerissen, zu welcher ich mich spontan dazu gesellte, zwecks Schauen des neuen mexikanisch-spanischen Oscarpreisträgers, Pans Labyrinth (El Laberinto del Fauno).
Beklemmend. Der Film ist eine sehr eigenwillige Mixtur aus Fantasymärchen und spanischer Bürgerkrieg, und meiner Meinung nach sehr sehenswert. Für einen Fantasyfilm unglaublich brutal, und für ein Bürgerkriegsdrama sehr verträumt. Guter Film, unbedingt anschauen.
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