Yay, drei Blogeinträge in einer Woche... ich bin wieder da! Und weil die guten Neuigkeiten nicht wirklich aufhören wollen, hier gleich noch eine.
AMD will Entwicklung freier 3D-Linux-Treiber fördern
Diejenigen unter euch, die vielleicht nicht ganz perfekt aufgepasst oder es schon wieder vergessen haben (ist ja auch schon wieder ein Jahr her, oder so) werden sich vielleicht fragen, was AMD mit 3D-Linux-Treibern zu tun hat, weil die ja eigentlich hauptsächlich Prozessoren produzieren. Zur Erinnerung also: AMD hat damals ATI übernommen, welche ihrerseits im Linux-Grafikkartentreiber-Jammerspiel seit jeher das schwarze Schaf schlechthin waren.
Intel hat funktionierende, stabile Open-Source-Treiber (bravo!), nVidia hat proprietäre, aber zumindest schnelle und auch halbwegs stabile Treiber, und ATI hat proprietäre, instabile und für die Leistung der Grafikkarten phänomenal langsame Treiber. Keine der drei Firmen hat bisher Spezifikationen zu ihren Grafikkarten veröffentlicht, die einen unabhängigen Linux-Treiber mit relativ wenig Aufwand (ja, also, wie gesagt, relativ) ermöglichen würden. Das ist bei Intel nicht so schlimm, weil sie ihre Treiber eh als Open Source veröffentlichen - bei nVidia und ATI ist der Zustand allerdings fatal und sorgt für einen großen Haufen an unnötigem Arbeitsaufwand für die engagierten Entwickler, die für diese Karten einen zumindest mit 2D funktionierenden Open-Source-Treiber schreiben wollen.
Insofern ist diese News ein großer Paukenschlag, der mit einem Mal die komplette Grafikkartenlandschaft verändert - vom Linux- und sonstigen Open-Source-Standpunkt aus betrachtet, versteht sich. AMD/ATI gibt nämlich, nach einem Jahr voller enttäuschter Hoffnungen, die Spezifikationen für sämtliche Grafikkarten der r500- und 5600-Serien frei. Das sind im Prinzip alle mit einem "X" plus Zahl dahinter, und die neueren "HD" und noch was. Also die neueren, die seit zwei oder drei Jahren auf dem Markt sind. Für die älteren gibts eh zum größten Teil schon funktionierende Open-Source-Treiber, für die neuen werden die Linux-Hacker von Red Hat und Novell mit Hilfe der nun veröffentlichten Spezifikationen einen passenden Treiber entwickeln. Wird halt noch ca. ein Jahr dauern (das geht auch so nicht schneller), aber ab dann kann sich jedermann und -frau guten Gewissens eine ATI-Grafikkarte zulegen.
Alle, die also einen Computer mit einer solchen ATI-Grafikkarte haben (sorry Emil), können sich also massiv über weniger Aufwand beim Installieren und weniger Abhängigkeit vom Herstellertreiber freuen. Und alle anderen zucken aus vor Freude, weil mit diesem bahnbrechenden Großereignis die Auswahl an linuxfreundlichen Computern in unbekannte Dimensionen steigt. Mit ein bisschen Glück sieht dann vielleicht auch nVidia ein, dass ihre aktuelle Geheimniskrämereipolitik zu nichts führt, und veröffentlicht ebenfalls die Grafikkarten-Spezifikationen.
So lange der neue Open-Source-ATI-Treiber noch nicht veröffentlicht ist, bleibt also von meiner Seite alles beim Alten (Intel ok, nVidia und ATI ungut). Wer allerdings trotzdem viel Grafikpower zu brauchen glaubt, sollte sich ab jetzt eine AMD/ATI-Karte nehmen. Als Belohnung für die richtige Entscheidung, und weil die Treiber-Situation in absehbarer Zeit viel besser wird, während nVidia weiter die Bösen sind.
Dass nebenbei auch noch eine neue Version des Grafikservers X.org mit der schönen Versionsnummer 7.3 herauskommt, was insbesondere das Ein- und Ausstecken von Beamern ohne Einstellungen und Ärgernisse einfach funktionieren lasst, erscheint dabei schon fast nebensächlich.
:D
Hallo meine lieben Newsempfänger - ja, ich weiß, ihr sehnt euch schon wieder nach den News, weil ich zweieinhalb Wochen schon wieder keine hatte. Kann nicht allzuviel Wichtiges passiert sein in der Zeit, oder? Sachen wie der Umstieg diesmal des französischen Parlaments auf Linux sind wir ja gewohnt, das ist fast nicht mehr der Rede wert. (Fast!) Also auf zu Besserem.
"PowerDVD liefert AACS-Schlüssel von HD DVD und Blu-ray Disc"
Es ist schon wieder ein Schlüssel zum Entschlüsseln des AACS-Kopierschutzes von bösen Crackern veröffentlicht worden. (Der vorige ist auch erst um die drei Wochen her.) Diesmal ist ein ein Private Key, mit dessen Hilfe man offensichtlich alle anderen Schlüssel auf einer HD-DVD oder Blu-ray-Disc auslesen kann. Und aus dem PowerDVD wurde er gestohlen, äh, will sagen, herausgefiltert.
Das ist jetzt keine ganz große Nachricht, weil das AACS-System solche Zwischenfälle vorgesehen hat: zukünftig ausgelieferte Discs mit AACS werden damit nicht mehr funktionieren. Aber das System geht noch weiter: wenn eine Disc mit den neuen Schlüsseln eingelegt wird, sagt sie dem HD-DVD- bzw. Blu-ray-Laufwerk, dass der alte Schlüssel ungültig ist, und fortan kann man auch die alten Filme mit dem gecrackten Schlüssel nicht mehr entschlüsseln.
Das heißt im Klartext, dass eine aktuelle PowerDVD-Version nicht mehr funktioniert, sobald eine neue Disc mit AACS abgespielt wird, weil der PowerDVD-Private-Key rückwirkend entmachtet wird. Krass, nä?
"HP denkt über vorinstalliertes Desktop-Linux nach"
Heißt noch nichts, aber in Kombination mit der kürzlichen Dell IdeaStorm Initiative (bei der ein vorinstalliertes Linux das meistverlangte Feature war) könnte das eventuell darauf hindeuten, dass die Zeit zur mainstreamigen Vorinstallation von Linux nicht mehr allzu weit in der Ferne liegt.
Oder auch nicht, wer weiß.
"AMD-Interview: 'Wir können unsere Treiber nicht offen legen'"
Das, und die Tatsache dass die Grafikkarten-Treiber von AMD (vormals ATI) für Linux unter aller Sau sind, lässt einen eine unumgeschränkte Empfehlung gegen den Kauf eines Computers mit ATI-Grafikkarte aussprechen. Mit der Übernahme von ATI durch AMD war ja gehofft worden, dass AMD seine bisherige offenere Treiber- und sonstige Hardwarepolitik auch auf die Grafikkarten ausweitet, dieser Artikel ist wohl die endgültige Bestätigung dafür, dass diese Hoffnungen ungehört verschallt sind.
Insofern soll sich also einen integrierten Intel-Grafikchip nehmen, wer gerne null Probleme (aufgrund von open-gesourcten Treibern) und ein leises, stromsparendes System hat, und nVidia sei jenen empfohlen, die nicht ohne Highend-Grafikpower auskommen können (obwohl deren Open-Source-Treiber-Politik um nichts besser ist als die von ATI/AMD, aber dafür sind zumindest die Treiber selbst weniger lahm und absturzgefährdet).
Ich hoffe, euren hohen Ansprüchen auch mit dieser Ausgabe der News nicht allzu ungerecht zu werden, und wünsche noch einen feinen Abend (oder wann immer das hier grad gelesen wird) vom seltenen Montag.
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