Sommersemester

Ich weiß nicht, was es ist, was das Sommersemester immer so schrecklich unproduktiv macht. Gerade eben hat es erst begonnen, aber ich spür's schon wieder kommen. Vielleicht ist es die Müdigkeit nach dem aufregenden Feber, oder das Klima, oder einfach nur Zufall.

Vielleicht bin ich aber auch gar nicht unproduktiv, sondern einfach nur ein Mangel an Fokus. Statt meine Zeit in die Sachen zu stecken, die von mir verlangt werden (Arbeit, Studium) stecke ich die Zeit in andere Dinge - väterliche Homepage-Runderneuerung, Musik in sämtlichen vier Facetten, und ganz viel Weltschmerz. Oh, und außerdem mach ich jetzt regelmäßig sit-ups und Liegestütze, das ist leichter zu praktizieren als die voriges Jahr probierten Lauf- und Radlfahr-Einheiten. Wahrscheinlich auch weniger effektiv, aber hey.

Die Ordi-Homepage ist jetzt dermaßen aufgepimpt, dass sie selbst von Nicht-Technikern in allen Bereichen problem- und gefahrlos bearbeitet werden kann, und den Soroptimistinnen helfe ich auch dann und wann mit der Wartung bzw. Konsolidierung ihrer Website. Des Weiteren hab ich in den letzten zwei Tagen seit langem wieder einmal einen richtig sauguten Song geschrieben - das hatte ich schon lange nicht mehr, und kommt meistens dann vor, wenns mit mir bergab geht. (Die beste Musik wird immer dann geschrieben, wenn es den Musikern richtig dreckig geht - bestes Beispiel: The Fragile von den Nine Inch Nails.) Vielleicht der beste Song, den ich jemals geschrieben habe, und diesmal sogar mit Text, der sich herzeigen lassen kann.

Gestern war ich dann auch noch im Kino (seit längerem wieder mal) und hab mir zusammen mit Stefan und Mertl Andi - der jetzt übrigens als Consulter tätig ist und nach Deutschland pendelt - den neuen George-Clooney-Film angeschaut. "Michael Clayton". Gutes Zeug, selbst wenn der Stefan bei Clooney-Filmen immer einschläft (versteh ich eh nicht, wie er das zusammenbringt). Die Frage ist, wer sind die anderen Leute, die wie von einer unsichtbaren Macht in augenscheinlich unvernünftige Zusammenhänge gerufen wird, und dem Ruf folgt? Wie finde ich die Gleichgesinnten und etwas, das alles das wert ist? Hat es überhaupt einen Sinn, nach einem Sinn zu suchen? Hat es einen Sinn, nach irgendwas aktiv zu suchen, wenn ja, wie? Wie viel Ignorieren des gesunden Verstands ist zweckmäßig, und wo sollte man ihn doch behalten?

Ich weiß nicht, ich bin gewissermaßen verzweifelt. Ich weiß auch nicht genau, wie ich es definieren soll... es ist nicht die traditionelle Verzweiflung im Sinne von "ich weiß keinen Ausweg" oder so; im Gegenteil, ich hab Pläne und gute Ideen en masse. Ich finde nur im Moment wieder mal nicht die Motivation, alles das umzusetzen, und das macht mir zu schaffen - zu dem Punkt hin, dass viel weniger geht als ohne alle diese Aufgaben. Ein bisschen Druck treibt mich zu enormer Produktivität, aber ein Haufen Druck verkehrt ebendiese ins genaue Gegenteil.

Ist also die Frage, wann ich mich wieder fange und die allgemeine Begeisterung, die ich vor zwei, drei Wochen noch ständig mit mir trug, wieder finde. Nicht ob, sondern wann. Eigentlich bin ich ja froh, dass es doch noch so etwas wie Höhen und Tiefen gibt. Ich bin auch froh über jeden unvernünftigen Fehler, den ich mache. Ich will einfach nur fühlen, dass ich lebe. Das geht im Übrigen am besten, wenn ein unerwartetes Ereignis einen aus dem Gefühlstief reißt.

In diesem Sinne, mögen sich viele weitere unerwartete Ereignisse häufen (wie im Februar eigentlich öfters der Fall war) und mögen ein paar davon richtig umwerfend gut sein. Jau!

P.S.: Email-Benachrichtigung geht zurzeit nicht, die muss ich wieder zum Laufen bringen.