Wer mich gut kennt, weiß, dass ich seit jeher ein Faible für Computerspiele habe. Das verfolge ich zwar nicht mehr so konsequent wie zu meinen besten Zeiten (erst diesen Montag wurde unsere ca. 20 Stück große Sammlung an Super-Nintendo-Spielen verscherbelt), aber die Begeisterung über gute Spiele ist die gleiche geblieben.
Computerspiele haben viel mit Filmen gemeinsam: beide erfordern ein Maximum an Kunstfertigkeit und Interdisziplinarität, um dem Konsumenten ein beeindruckendes Erlebnis zu bieten. Sie müssen eine perfekte Mischung aus visuellen Eindrücken, großartiger Musik und durchdachter Handlung aufweisen, dann kann ich mich darin verlieren, als ob es keine Welt um mich herum gäbe. (Bei Spielen kommt noch die Qualität des Gameplays dazu.) Ist einer dieser Komponenten schlecht gelungen, kann man die Gesamtheit des Films oder Computerspiels ebenfalls schmeißen. Mir ist dabei ein mitreißender Plot am wichtigsten.
Der Emil, als selbsternannte Coolness-Instanz (wer's glaubt), kritisiert mich öfters dafür, dass ich mir für meine PlayStation 2 keine Multiplayer-Spiele kaufe, was Gesellschafts-Orgien wie am Wii ziemlich unmöglich macht. Unendlich viele andere Computerspieler frohlocken beim bloßen Gedanken an geniale Multiplayer-Kreationen wie Mario Kart, Goldeneye, Smash Brothers Melee, FIFA, Singstar, oder was es noch alles gibt. Ich kann es ihnen nicht verdenken; spiele sogar selber mit Begeisterung mit.
Allein, das ist nicht das, was mich zum Computerspielen antreibt. Multiplayer-Spiele haben auch ihren Wert, aber der liegt auf einer ganz anderen Ebene, nämlich der zwischenmenschlichen. Die gleiche Ebene, der auch Ereignisse wie Geburtstagsfeiern, Poker- und Schnapsrunden, Billiardabende oder sonstige soziale Betätigungen zuzuordnen sind. Aber ich habe nicht vor, Geld für Konsolen und die dazugehörigen Spiele auszugeben, nur um noch länger vor Bildschirmen zu sitzen als das eh schon der Fall ist.
Computerspiele haben, von vielen Gelegenheits-Spielern unbemerkt, noch eine ganz eigene Qualität, und das ist die Möglichkeit, in die Spielwelt einzutauchen. Eine zweite Identität anzulegen, eine neue Realität aufzubauen: eine, die nichts mit mir als Mitglied der eigentlichen Gesellschaft zu tun hat und nicht mit meinen Freunden oder sonstwem, sondern die nur mir gehört, nur für mich existiert, mit meinen Eindrücken, meinen Entscheidungen und meinen Emotionen. Also nicht "Ich spiele diesen Charakter dort", sondern "Dieser Charakter dort, das bin ich!"
Gesellschaftsspiele können nie diese Intensität erzeugen, das Mitfiebern ist kurzfristig und schnell vergessen. Wenn ich mit Menschen zusammen sein will, warum brauche ich dafür eine Konsole? Ein einziger Augenkontakt ist mir hundertmal lieber. Aber die wirklich intensiven Computerspiele können mir etwas geben, was es in der Interaktion mit anderen Menschen einfach nicht gibt - oder ich es dort noch nicht gefunden habe - und das gibt mir einen Grund, manchmal einzeln (aber in diesem Moment nicht einsam) in einem Zimmer zu sitzen, in den Bildschirm zu starren und wie blöd auf meinem Controller herumzudrücken.
Und nein, darüber hab ich kein schlechtes Gewissen. Viele Leute sehen Computerspiele als sinnlose, teils aggressiv machende Zeitverschwendung. Für mich ist es eine Möglichkeit, um intensiv fühlen zu können, neben all den beiläufigen realen Ereignissen und Interaktionen. Der selbe Zweck, den auch Filme, Musik, und der bloße Gedanke an Liebe erfüllen können. Ich mag vielleicht nicht der Typ sein, der groß über die Welt nachdenkt, oder immer einen passenden Spruch auf der Zunge hat, oder seine Gefühle in angemessener Form ausdrucken kann. Aber die Gefühle an sich sind stark, da bin ich von vielen Seiten her leicht anfällig. Und das ist schon was, wo ich stolz drauf bin.
Also, Computerspiele als Stimulus, als Kick, als Quelle intensiver Emotionen. Wer hätte das gedacht. Ich warte auf ein "Trivial!".
Comments
Emulator für SNES auf PC
da ihr gerade darüber sprecht....ich musste auch aus Vernunftsgründen meine SNES Sammlung samt Secret of Mana und Super Soccer, Mario Kart und Final Fantasy abgeben...jetzt würde ich mich aber aus Nostalgiegründen wieder gerne an genau die Games setzen...habt ihr ne Idee, wie ich an nen guten Emulator für meinen PC komme? Gibt es denn SNES Controller Adapter für den PC oder eine ähnlich elegante Lösung?
Danke und Grüße
Antworten!
ad SNES emulator: Google is your friend.
ad Controller Adapter: ja, gibts, hab ich zufällig mal irgendwo gefunden. lasst sich im Internet sicher leichter auftreiben als im regulären Handel.
argh wie kann man denn a
argh
wie kann man denn a SNES sammlung verscherbeln? das grenzt ja scho fast an gotteslästerung!
aber ansonsten, stimm ich deinen ausführungen zu 1 player spielen voll und ganz zu. hast sehr schön geschrieben :D
naja, also
Prinzipiell hast ja recht, und wir haben die Super-Nintendo-Spiele echt lang behalten (vor allem auf mein Drängen hin), bevor der Entschluss zur Verscherbelung gefallen ist.
Aber wenn fest steht, dass wir mit überwiegend haushoher Wahrscheinlichkeit keins der Spiele mehr spielen werden, und die Eltern das Sackerl los haben wollen weil kein Platz mehr da ist, siegt irgendwann die Vernunft über die Nostalgie.
Was noch lange nicht heißt, dass mit den Spielen meine hart erarbeitete Liebe zum Super Nintendo und insbesondere zu Perlen wie Secret of Mana verloren geht. Wobei ich den Großteil der anderen, jedoch nicht ganz an letzteres herankommenden Perlen (sprich, Chrono Trigger, Final Fantasy 6 und Secret of Evermore) sowieso am Emulator gespielt hab :-P
Coolness-Instanz
Also Jakob, das mit der Coolness-Instanz nimmst du jetzt aber schnell zurück, sonst gibt's eine auf die Rübe!
Erstens stimmt das nicht und zweitens ist das falsch, okay?
Also nimm' das zurück!
Danke
Ok, ok
Ja, vielleicht hast du dich gar nicht direkt als Coolness-Instanz bezeichnet. Sorry, das nehm ich zurück. Aber dass du dauernd Recht haben willst und dich selber als obercool siehst, das steht imho außer Frage ;)